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Jugendamt uneingeschränkt erreichbar - Kinderschutz in Corona-Zeiten: „Im Zweifel das Jugendamt einschalten“

Meldung vom 24.04.2020 Jugendamt uneingeschränkt erreichbar - Kinderschutz in Corona-Zeiten: „Im Zweifel das Jugendamt einschalten“

Nachrichten zum Coronavirus

Geschlossene Schulen und Kitas, Kontaktverbote, gestresste Familien: Von den drastischen Einschränkungen im Zuge der Coronavirus-Pandemie sind viele Kinder und Jugendliche im Landkreis Kelheim besonders betroffen. Darauf weist das Kreisjugendamt Kelheim hin – und appelliert an Eltern, Angehörige und Nachbarn, beim Thema Kindeswohl genau hinzuschauen. „Zwar schweißt die Corona-Lage viele Familien zusammen. Eltern und Kinder verbringen mehr Zeit miteinander. Aber es kann auch passieren, dass Konflikte jetzt schneller eskalieren und Kinder Gewalt oder Verwahrlosung erleben“, sagt Robert Wagner, Leiter des Allgemeinen Sozialdienstes vom Kreisjugendamt Kelheim. Ein besonderes Risiko gebe es in Familien, in denen psychische Erkrankungen oder Suchtprobleme eine Rolle spielten.
„Klar ist: Das Jugendamt ist auch weiterhin voll erreichbar. Wir gehen jedem Hinweis nach“, betont Robert Wagner. Unter der Corona-Familien-Hotline des Kreisjugendamtes Kelheim 09441/207-6914 können sich Eltern ab sofort melden, die von der aktuellen Situation überfordert sind und Hilfe brauchen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dann bemüht die Eltern beratend zu unterstützen und notwendige Hilfen zu vermitteln. Auch wer den Verdacht hat, dass Kinder leiden oder Angst vor ihren Eltern haben, kann dort anrufen. Es sei jedoch unbedingt zur besonderen Vorsicht zu raten, um vorschnelle Verdächtigungen auszuschließen: Kreischende Geschwister, Getrampel auf dem Boden oder laute Musik in der Nachbarswohnung seien noch lange kein Hinweis auf eine Kindeswohlgefährdung. „Aber wenn die Kinder selbst um Hilfe rufen oder die Eltern sagen: ´Ich packs nicht mehr‘, dann sollte man das Jugendamt einschalten – oder im äußersten Fall die Polizei“, macht Robert Wagner deutlich.
Die Corona-Pandemie stelle dabei auch das Jugendamt selbst vor neue Herausforderungen, da die persönlichen Kontakte des Allgemeinen Sozialdienstes bei Beratungsgesprächen oder Hausbesuchen nur noch in stark eingeschränkter Weise unter Beachtung der erforderlichen Schutzvorkehrungen möglich sind. „Entscheidend ist, dass der Kontakt zu Familien, die bereits vom Jugendamt betreut werden, nicht abreißt. Wo das Kindeswohl einmal in Gefahr war, halten wir auch jetzt verstärkt Kontakt mit den Familien, um sicherzustellen, dass es den Kindern gut geht“, so Herr Wagner.
Um bei den Hausbesuchen die Infektionsgefahr möglichst gering zu halten, gehe das Jugendamt auch neue Wege. So kämen nun verstärkt Telefonkonferenzen zum Einsatz, aber auch die elektronischen Medien wie Videotelefonie werden beispielsweise von beauftragten Familienhelfern häufiger genutzt. „Aber am Face-to-Face-Kontakt zum Kind führt im Zweifelsfall kein Weg vorbei. Das Wohl der Kinder hat für das Jugendamt auch unter widrigen Umständen allerhöchste Priorität“, betont Robert Wagner.
Bislang sei allerdings noch unklar, ob die Corona-Krise zu einem dauerhaften Anstieg von Notrufen beim Kreisjugendamt Kelheim führe. „Es sind oft die Pädagoginnen und Pädagogen in Schulen und Kitas, die sich mit Verdachtsfällen bei uns melden. Aber die sehen die Kinder und Jugendlichen aktuell ja nicht. Stattdessen könnte es aber zu mehr Meldungen von Nachbarn, Verwandten oder Bekannten kommen. Corona sei auf jeden Fall für viele Familien ein zusätzlicher Belastungs- und Risikofaktor, dessen Tragweite sich wohl erst in den kommenden Monaten zeigen werde“, so Robert Wagner.
In der aktuellen Krise werde besonders deutlich, wie wichtig die Arbeit der Jugendämter sei, sagt Norbert Birnthaler, Leiter des Kreisjugendamtes Kelheim. „Der Kinderschutz leistet eine unverzichtbare Aufgabe in der Gesellschaft – so wie etwa auch die Krankhäuser, die Polizei und die Feuerwehr. Auf das Jugendamt ist Verlass.“

Kategorien: Coronavirus

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