Der Marktstadl in Vohburg – wie eine Stadt Leerstand neu belebt
vordere Reihe, 3. und 4. von links: Sonja Rieger (Öko-Modellregion Landkreis Kelheim) und Petra Simon (Öko-Modellregion Stadt.Land.Ingolstadt) luden bei einer gemeinsamen Veranstaltung zur Besichtigung des Marktstadls ein.
Fast jede Kommune kennt das Problem: Leerstand, der aufgrund hoher Mieten oder wirtschaftlicher Risiken nicht belebt werden kann. Wie lassen sich solche leerstehenden Gebäude sinnvoll nutzen und gleichzeitig regionale Wertschöpfung stärken? Mit dem Marktstadl hat die Stadt Vohburg an der Donau im Landkreis Pfaffenhofen auf diese Frage eine bemerkenswerte Antwort gefunden.
Auf die gemeinsame Einladung der Öko-Modellregionen Kelheim und Ingolstadt informierten sich Ende April zahlreiche Interessierte vor Ort über das Projekt.
Bei der gemeinsamen Besichtigung stellte Bürgermeister Andreas Amann den Markstadl vor und erklärte, wie die Stadt den ehemaligen Leerstand erfolgreich in einen modernen Einkaufs- und Begegnungsort verwandelt hat.
Ein abbruchreifer, verdreckter Stall mitten in der Stadt: das konnte so natürlich nicht bleiben. In Absprache mit dem Denkmalschutz wurde das Gebäude originalgetreu ganz neu aufgebaut und seit vergangenem November auch neu genutzt.
Den Zuschlag für die Planung erhielt ein kleines Architekturbüro für sein Konzept, und so entstand ein offenes und einladendes Gebäude im Herzen der Stadt. Schnell wurde der Stadtverwaltung jedoch klar: es würde kein Pächter gefunden werden, denn das Erwirtschaften der Miete und das finanzielle Risiko wollte niemand tragen. Deshalb entschied sich die Stadt Vohburg für einen ungewöhnlichen, aber mutigen Weg: Sie übernahm den Betrieb des Bistros selbst und stellte eigenes Personal ein.
„Die Einnahmen des Bistros tragen die Unkosten“, erläuterte Andreas Amann, damals Geschäftsführer der Stadt und inzwischen neu gewählter Bürgermeister. Er hat während seiner Dienstzeit die ganze Entstehungsgeschichte des Markstadls mitbegleitet.
Zusätzliche Einnahmen entstehen durch den Verkauf regionaler und bio-regionaler Produkte, die von Direktvermarktern und Erzeugern in Kommission angeboten werden. Hohe Erlöse seien dabei laut Amann nicht zu erwarten, große Gewinne stünden hier aber auch nicht im Vordergrund. Vielmehr sei es gelungen, Leerstand sinnvoll zu beleben und einen attraktiven Ort für Einheimische und Besucher zu schaffen.
Das Konzept verbindet Einkauf, Gastronomie und Regionalität auf besondere Weise. Im Bistro werden zahlreiche Produkte verarbeitet, die auch im Marktstadl erhältlich sind. Angeboten werden Frühstück sowie wechselnde Mittagsgerichte wie Bowls, Wraps oder Sandwiches – so können Besucher direkt probieren, was später vielleicht im Einkaufskorb landet.
Ob das Projekt auf andere Kommunen übertragbar ist? Auf jeden Fall, davon ist Andreas Amann überzeugt. Es müsse nicht gleich ein neuer Stadl sein, aber überall gäbe es Leerstand in öffentlicher Hand, wo man mit Willen und Kreativität eine ähnliche Idee umsetzen könnte.
Der Marktstadl in der Donaustraße 17a ist montags, dienstags, donnerstags und freitags von 9 bis 17 Uhr sowie samstags von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Mittwochs, sonntags und an Feiertagen ist Ruhetag.